Plan B in Radolfzell am Bodensee
Warum ein geschlossenes Café mir zu schönen Fotos verhalf
Der FehlstartEigentlich hatte ich einen ganz anderen Plan. Ich holte meine Frau von der Arbeit ab, und mein Kopf war auf "Gemütlichkeit" eingestellt: Ein heißer Kaffee auf der Mettnau, Beine hochlegen, Feierabend. Doch vor Ort die Ernüchterung: Das Restaurant war zu.
Dunkle Fenster, Novemberkälte und zwei Menschen, die eigentlich ins Warme wollten. Was macht man da? Man dreht sich um – und sieht plötzlich dieses Licht.
Der Jagdinstinkt erwacht
Anstatt uns über den verpassten Kaffee zu ärgern, gingen wir zum Ufer. Der Bodensee im November ist nichts für Postkarten-Romantiker, die 30 Grad und Badewetter brauchen. Er ist klar, er ist frisch und die Fernsicht auf die Alpen war an diesem Tag fast schon unwirklich scharf.
Für mich als Fotografen änderte sich der Modus sofort von "Feierabend" auf "Arbeit". Die tiefstehende Sonne knallte förmlich über das Wasser. Wer schon mal versucht hat, direkt in die Sonne zu fotografieren, kennt das Problem: Es ist ein schmaler Grat zwischen "überbelichteter Matsch" und "perfekter Sonnenstern".
Das Ringen um den Sonnenstern
Während meine Frau die Ruhe am Wasser genoss (und hoffentlich nicht zu sehr fror), kämpfte ich mit der Blende. Ich wollte diesen einen, perfekten Sonnenstern (siehe Galerie). Das Wasser glitzerte wie flüssiges Gold, aber die Herausforderung war, die Silhouetten der Bäume und Spaziergänger so einzufangen, dass sie nicht einfach nur schwarz absaufen, sondern dem Bild einen Rahmen geben. Es sind diese Momente, in denen man vergisst, dass man eigentlich friert.
Kontrastprogramm Martinimarkt
Als die Sonne weg war, kam die Kälte dann doch durch. Die "Blaue Stunde" schenkte uns noch ein paar ruhige Minuten im Schilf, bevor wir den radikalen Szenenwechsel suchten.
Vom stillen See direkt in den Trubel des Martinimarkts. Statt einsamer Natur gab es jetzt Lärm, Lichter und endlich etwas Warmes zu essen. Ich habe die Kamera bewusst weggepackt. Manchmal muss man aufhören, durch den Sucher zu schauen, um den Abend – und den nun endlich verdienten Glühwein – wirklich zu genießen.






Hach der Bodensee! Ganz Egal aus welcher Perspektive und zu welcher Tageszeit - hier verweilt und fotografiert man einfach gerne!
Ich würde mich für die technischen Grundlagen der Bilder interessieren, und ich frage mich, ob man dafür Filter braucht.
Mit meiner EOS 80D und nicht zu einfachen Objektiven habe ich zwar Technik aber oft zu wenig Wissen.
Kompliment für Ihre schön gemachte Seite!
Hallo Kai,
die Fotos sind alle ohne Filter entstanden. Für einen Sonnenstern musst Du einfach Deine Blende schließen. Ich hatte hier die Kamera auf Blende 16 eingestellt. Wenn Du ein Stativ hast dann ISO auf 100 und die Belichtungszeit stellst Du so ein wie Dir das Bild am besten gefällt.
Die Werte vom ersten Foto:
Blende: 16
Belichtungszeit: 1/500
ISO: 100
Gruß André